EU-Energielabel bei Gastro-Kältegeräten verstehen

Seit März 2021 tragen gewerbliche Kühlgeräte ein neues EU-Energielabel mit der Skala A bis G – die vertrauten Plus-Klassen wie A+++ sind Geschichte. Für Gastronomen ist das Label weit mehr als ein Pflichtaufkleber: Bei Geräten, die 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr laufen, entscheidet die Effizienzklasse über mehrere tausend Euro Betriebskosten. Dieser Ratgeber erklärt, was das Label zeigt, wie Sie es richtig lesen und warum sich der genaue Blick vor jedem Kauf auszahlt.

Warum das Energielabel bei Gewerbe-Kühlgeräten Pflicht ist

Mit der EU-Verordnung 2019/2018 gilt seit dem 1. März 2021 eine Kennzeichnungspflicht für gewerbliche Kühlgeräte mit Direktverkaufsfunktion – dazu zählen Kühlvitrinen, Getränkekühlschränke mit Glastür und Eisvitrinen. Für gewerbliche Lagerkühl- und Tiefkühlschränke existiert bereits seit 2016 eine eigene Labelpflicht. Händler müssen das Label am Gerät und im Onlineshop ausweisen, Hersteller müssen ihre Geräte in der europäischen Produktdatenbank registrieren. Wichtig zu wissen: Lagerkühlschränke und Verkaufsgeräte werden nach unterschiedlichen Messverfahren eingestuft. Die Klassen sind deshalb nur innerhalb derselben Gerätegruppe direkt vergleichbar – ein Lagerkühlschrank der Klasse C und eine Kühlvitrine der Klasse C verbrauchen nicht automatisch gleich viel. Eine Übersicht aller Gerätetypen finden Sie in unserer Kategorie Kühltechnik.

Die neue Skala A bis G – das Ende von A+++

Die alte Skala mit A+, A++ und A+++ war für Käufer kaum noch aussagekräftig, weil sich fast alle Geräte in den obersten Klassen drängten. Die EU hat die Einstufung deshalb deutlich verschärft und auf eine klare Skala von A bis G umgestellt. Die Klasse A wurde dabei bewusst streng definiert: Sie bleibt zunächst weitgehend unbesetzt, damit Hersteller einen Anreiz für effizientere Neuentwicklungen haben. Ein Gerät der Klasse C oder D nach neuer Skala kann daher durchaus dem früheren A++-Niveau entsprechen. Lassen Sie sich von vermeintlich schlechten Buchstaben also nicht abschrecken – entscheidend ist der Vergleich innerhalb der aktuellen Skala und der konkrete Jahresverbrauch.

Was das Label im Detail zeigt

Das EU-Energielabel liefert auf einen Blick die wichtigsten technischen Eckdaten:

  • Energieeffizienzklasse (A–G): Die Einstufung anhand des Energieeffizienzindex, farblich von Grün bis Rot markiert.
  • Jahresenergieverbrauch in kWh/annum: Der wichtigste Wert für Ihre Kalkulation – gemessen unter genormten Bedingungen.
  • Nutzinhalt in Litern: Bei Kühl- und Tiefkühlschränken getrennt nach Temperaturbereichen, bei Vitrinen ergänzt um die Verkaufs- bzw. Ausstellungsfläche.
  • Temperaturbereich und Klimaklasse: Angaben dazu, für welche Betriebs- und Umgebungsbedingungen das Gerät ausgelegt ist.
  • QR-Code: Führt direkt zum vollständigen Produktdatenblatt in der EPREL-Datenbank.

Die EPREL-Datenbank: alle Produktdaten auf einen Blick

Hinter dem QR-Code auf dem Label steckt die europäische Produktdatenbank EPREL (European Product Registry for Energy Labelling). Dort muss jeder Hersteller seine Geräte mit vollständigem Datenblatt registrieren, bevor sie in der EU verkauft werden dürfen. Für Sie als Käufer ist das ein praktisches Werkzeug: Sie können Verbrauchswerte, Nutzinhalt und Klimaklasse verschiedener Modelle neutral vergleichen, ohne sich auf Prospektangaben verlassen zu müssen. Scannen Sie einfach den QR-Code mit dem Smartphone oder suchen Sie in der Datenbank nach der Modellbezeichnung.

Rechenbeispiel: Klasse C gegen Klasse G im Dauerbetrieb

Wie stark sich die Effizienzklasse auswirkt, zeigt eine einfache Rechnung am Beispiel eines Getränkekühlschranks mit Glastür, wie Sie ihn in unserer Kategorie Glastürkühlschränke finden. Ein effizientes Modell der Klasse C verbraucht rund 450 kWh im Jahr, ein einfaches Gerät der Klasse G kommt schnell auf 1.400 kWh – beide laufen im Gastrobetrieb rund um die Uhr. Bei einem Strompreis von 0,35 Euro pro kWh bedeutet das: etwa 158 Euro Stromkosten pro Jahr für das C-Gerät gegenüber rund 490 Euro für das G-Gerät. Die Differenz von über 330 Euro pro Jahr summiert sich über eine typische Nutzungsdauer von zehn Jahren auf mehr als 3.300 Euro – deutlich mehr, als der Aufpreis für das effizientere Gerät in den meisten Fällen beträgt. Die Anschaffung nur nach dem Kaufpreis zu entscheiden, ist bei Kältetechnik deshalb fast immer ein Fehler.

Klimaklasse und Umgebungstemperatur – ein unterschätzter Faktor

Die Klimaklasse gibt an, bis zu welcher Umgebungstemperatur das Gerät seine Kühlleistung und den angegebenen Verbrauch zuverlässig einhält. Bei gewerblichen Geräten sind vor allem drei Klassen relevant: Klimaklasse 3 (bis 25 °C Umgebungstemperatur), Klimaklasse 4 (bis 30 °C) und Klimaklasse 5 (bis 40 °C). Steht ein Edelstahl-Kühlschrank in einer heißen Küche direkt neben Herd und Fritteuse, ist Klimaklasse 5 die richtige Wahl. Ein Gerät der Klimaklasse 3 würde dort dauerhaft gegen die Hitze ankämpfen: Der Verbrauch steigt spürbar über den Labelwert, die Innentemperatur schwankt und der Kompressor verschleißt schneller. Die beste Effizienzklasse nützt wenig, wenn die Klimaklasse nicht zum Aufstellort passt.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  • kWh/Jahr statt nur Buchstabe: Vergleichen Sie den konkreten Jahresverbrauch – innerhalb einer Klasse gibt es erhebliche Unterschiede.
  • Nutzinhalt ins Verhältnis setzen: Ein großes Gerät der Klasse D kann pro Liter Nutzinhalt effizienter sein als ein kleines der Klasse C.
  • Klimaklasse zum Aufstellort: Küche, Theke oder klimatisierter Lagerraum stellen völlig unterschiedliche Anforderungen.
  • Kältemittel prüfen: Moderne Geräte mit natürlichem Kältemittel R290 arbeiten besonders effizient und zukunftssicher.
  • Gesamtkosten rechnen: Kaufpreis plus zehn Jahre Stromkosten ergeben den ehrlichen Vergleichswert.

Weitere Stellschrauben für niedrige Stromkosten – von der Aufstellung bis zur Wartung – haben wir im Ratgeber Energieeffizienz in der Gastroküche zusammengefasst.

Fazit

Das EU-Energielabel macht gewerbliche Kältegeräte endlich transparent vergleichbar: Effizienzklasse, Jahresverbrauch, Nutzinhalt und Klimaklasse stehen auf einen Blick fest, die EPREL-Datenbank liefert alle Details. Wer den Jahresverbrauch in seine Kalkulation einbezieht und die Klimaklasse passend zum Aufstellort wählt, spart über die Lebensdauer eines Geräts schnell einen vierstelligen Betrag. Sie sind unsicher, welche Effizienz- und Klimaklasse für Ihren Betrieb sinnvoll ist? Wir beraten Sie gern persönlich unter +49 6724 2069393.

Zuletzt aktualisiert am 6. Juli 2026.

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